2014-11-09_0004©Axl Klein

Mit seinem zurückliegenden Projekt „Zorn“ hat er sich bundesweit einen Namen gemacht. Inzwischen gehört Axl Klein zu den 200 besten Werbefotografen Deutschlands (Blickfang) und wird von Kunden aus ganz Deutschland gebucht. Ich habe meinen Kollegen und Kumpel in seinem wahnsinnig tollen Studio besucht und mit ihm über Erfolg, Missgunst, die negative Seite der sozialen Netzwerke und anstehende Projekte gesprochen.

Hallo Axl, lass uns mit einer guten Nachricht beginnen. Du bist seit kurzem Mitglied einer besonderen Gemeinschaft. Das Projekt „Blickfang“ hat dich in seiner Mitte aufgenommen als einer von 200 Fotografen. Die besten Fotografen Deutschlands. Herzlichen Glückwunsch. Wie kam’s dazu?

Die haben mich angeschrieben.

Eine große Ehre. Das Buch ist voller erfolgreicher Fotografen aus der Werbebranche in Deutschland.

Na klar, es ist ein große Ehre. Aber natürlich ist eine solche Auswahl absolut subjektiv. Trotzdem freue ich mich natürlich total. Es bringt einen nach vorne, denn das Buch liegt bei Artbuyern in ganz Deutschland auf dem Tisch. Und das ist gerade in der Werbebranche wichtig, um an Kunden zu kommen.

Im Buch sind auch Bilder deines zurückliegenden Projekts „Zorn“ enthalten. Kurz zu Erkärung:  Du hast 55 Prominente vor die Kamera geholt, um sie in ihrer Interpretation von Zorn abzulichten. Dadurch ist man in Deutschland so richtig auf dich aufmerksam geworden.

Absolut. Zorn war ein echter Door-Opener, wie man so schön sagt. Es gibt so viele gute Fotografen. Du bist selbst einer davon.

(Kurzes Losprusten beim Fragensteller)

Und durch  solche freien Projekte macht man auf sich aufmerksam. Bei den alltäglichen Jobs bekommt man nicht diese Aufmerksamkeit und kann nicht aus dieser Masse herausstechen. Das ist schwierig. Du weißt selbst, wie das ist.

2014-11-09_0001 2014-11-09_0002© Axl Klein

Und verdient hast du keinen Cent damit.

Ein totales Non-Profit-Projekt. Amnesty International war der Schirmherr und die 11.000 Euro, die bislang aus dem Verkauf zustande gekommen sind, gingen komplett an Amnesty. Finanziell war es für mich ein klares Minusgeschäft.

Nicht aber fürs Renommee.

Fürs Renommee aber auch emotional und persönlich war es ein riesiger Gewinn. Es war ein Traum, dieses Projekt zu verwirklichen und mit so vielen interessanten Menschen zusammen zu kommen.

Und es gab einen echten Run in der Presse. Du warst im Stern, in der FAZ aber auch in Fachzeitschriften wie der „Photographie“. Da hat offenbar alles gepasst.

Das positive Feedback war wirklich überwältigend, gerade von der breiten Masse. Die dritte Ausstellung in Aachen ist gerade zu Ende gegangen. Die Leute kamen zu mir, haben mir geschrieben. Die hatten auch bei den Ausstellungen ihren Spaß beim Erleben der Fotos und beim Durchblättern des Buches. Das war wirklich toll. Natürlich gibt es auch Leute, die weniger begeistert waren. Aber der Anteil war im Vergleich sehr, sehr gering.

2014-11-09_00162014-11-09_00142014-11-09_00172014-11-09_0018©Kai Forst

Auch wenn der Anteil verschwindend gering war.  Neider gab und gibt es. Wenn man plötzlich in der Öffentlichkeit steht, vermutlich umso mehr.

Ja, es gab auch einige wenige Mails und Postings, die wirklich gehässig waren. Und wie du sagst, Wenn man plötzlich in der Öffentlichkeit steht, bleiben Neid und Missgunst nichts aus. Vor allem in so einem hart umkämpften Business wie unser Fotogeschäft. Dummerweise ist es so, dass 1000 positive Reaktionen nicht so haften bleiben wie eine negative, besonders wenn sie persönlich werden.

Du wirst dir ein dickeres Fell zulegen müssen.

Das ist aber nicht meine Art. Ich bin sehr emotional.

Die Kritikkultur hat sich in den vergangenen zehn Jahren gravierend verändert, vor allem durch Facebook.  Aggressives Denunzieren wird dort häufig mit Kritik verwechselt. Ist das auch ein Grund, warum zu bei den sozialen Netzwerken eher zurückhaltend bist?

Absolut. Diese Form der Kommunikation liegt mir völlig fern und daran möchte ich mich auch nicht beteiligen. Ich will keine Leute „dissen“ und käme auch nie auf die Idee anderen Leuten Hass-Mails oder -Postings zu schreiben. Die Hemmschwellen sind einfach so unfassbar niedrig geworden. Ich habe auch gemerkt, es bringt sehr, sehr wenig. Es gibt Fotografen, die haben 20.000 oder 30.000 Fans bei Facebook. Aber das spricht nicht unbedingt für den kommerziellen Erfolg. Ich habe kürzlich etwas gelesen, das es ziemlich gut trifft. Likes bei Facebook sind wie Spielgeld bei Monopoly. Die Veröffentlichungen in den diversen Printmedien, haben mir hingegen wirklich etwas gebracht.

2014-11-09_00082014-11-09_0019©Axl Klein

Etwas, das dir beruflich manchmal eher im Weg steht, ist der Wohnort. Lass uns mal kurz über unsere Heimat reden. Ist das Saarland in der hart umkämpften Werbebranche ein Standortnachteil?

Es ist auf jeden Fall schwieriger. Die Jobs werden vor allem in Hamburg, Frankfurt, München oder Berlin vergeben. Daher bin ich auch gerade dabei, mir eine Repräsentanz zu suchen, die mich bundesweit vertritt. Und wenn man da nicht an der Quelle sitzt, ist es schwierig.

Wie leben eben in der Provinz.

Ja, das ist so. Zwar in einer wunderschönen Provinz. Aber hier hat man eben nicht die Kunden, die man in Hamburg oder München hat.

Wie weit bist du mit der Suche nach einer Repräsentanz?

Ich bin gerade dabei, meine Mappe abzuschließen, eine sehr aufwendige Sache. Da werden Bilder, die ich über Jahre gemacht habe, gesichtet, neu bearbeitet, gedruckt. Wir sind jetzt schon seit Monaten dran. Ich mache das zusammen mit Martin Repplinger und meinem Assistent Matthias Wittekind. Die helfen mir sehr dabei. Für mich hat Fotografie ohnehin ganz viel mit Teamarbeit zu tun.

Ich bin eher ein Eigenbrödler.

Ja, du bist als Reportagefotograf eher der einsame Wolf oder der Einzelkämpfer. Ich arbeite immer in einem recht großen Team. Stilist, Maskenbildner, Assistenten, Digitalassistent, Post-Production. Und das ist das Schöne daran. Ich hocke hier schon genug alleine rum. Und ich finde es ganz toll, im Team zu arbeiten. Am Ende steht dann zwar immer Axl Klein auf dem Bild. Aber die Credits sind mir ganz wichtig. Wer war alles dabei, wer hat was zum Bild beigetragen, das muss auch da stehen.

2014-11-09_0012©Axl Klein

Vielen andere Fotografen legen da weitaus weniger Wert darauf, an das Team zu denken.

In dem Buch Blickfang bin ich zumindest fast der einzige, der unter das Bild geschrieben hat, wer die Post gemacht hat. Und man kann davon ausgehen, dass viele die Post machen lassen. Ich selbst mache fast gar keine Postproduction mehr. Ab und zu mal noch zum Spaß. Aber in der Werbebranche wird fast alles Professionell gepostet. Das sind Spezialisten und längst ist draus ein eigener Berufszweig entstanden.

Lass uns einen Blick in die Zukunft und auf ein neues Projekt werfen. Es steht was ganz anderes an. 

Genau. Ich freue schon total darauf, bald ein Projekt zu starten, bei dem ich komplett von üblichen Arbeitsweise abweiche. Komplett analog, nur mit vorhandenem Licht und einer Großformatkamera. Es werden zwar auch wieder Porträts sein. Aber dieses Mal versuche ich die Menschen mit der Architektur ihres natürlichen Lebensraums in Verbindung zu bringen. Also ähnlich wie Arbeitsraum damals, nur anders (lacht).

2014-11-09_0009 2014-11-09_00102014-11-14_0006 2014-11-14_0005 2014-11-14_0004ursapharm_1_web©Axl Klein

Du hast mir mal erzählt, dass du privat kaum noch eine Kamera in die Hand nimmst. Ist das neue Projekt auch die Suche nach der Lust an der Fotografie?

Absolut. Ich habe jahrelang privat keine Kamera mehr in die Hand genommen. Erst beim Zusammenstellen meiner Mappe ist mir aufgefallen, wieviel ich früher eigentlich fotografiert gabe.  Da hatte eigentlich immer eine Kamera dabei. Das mache ich seit Jahren nicht mehr. Und das ist sehr schade. Mit die Großformatfotografie will ich jetzt mal was ganz Neues ausprobieren für mich und ich bin schon ganz heiß drauf.

Wird es wieder ein Buch geben?

Das weiß ich noch nicht genau. Da es dieses Mal eher wieder ein lokales Projekt sein wird, wird sich zeigen, ob ich dafür einen Verlag finden kann. Eine Ausstellung soll es auf jeden Fall geben. Und auch einen kleinen Katalog möchte ich drucken.

Ganz anderes Thema: Hast du eigentlich schon einmal eine Hochzeit fotografiert?

Oh ja… 😉 ein einziges mal… das war vor ca. 8 Jahren für gute freunde. Danach hab ich mir geschworen: NIE WIEDER!! 😉 Ich war völlig fertig danach. Das war so unglaublich anstrengend und ich war komplett durchgeschwitzt und von der Feier hatte ich dann auch nichts mitbekommen. Die Verantwortung, den vermeintlich schönsten Tag im Leben von zwei Menschen in Bildern festzuhalten war mir zu groß und diese Art der Fotografie liegt mir nicht gerae. Das können andere – wie z.b. DU – viel, viel besser!! 🙂 Aber Fotografie ist so ein weites Feld, man kann nicht alles machen und können.

2014-11-14_0001 2014-11-14_0002©Axl Klein

Schreibe einen Kommentar